Unfallstatistiken – Verkehrsunfälle in Deutschland

Die von der Polizei aufgenommenen Verkehrsunfälle in Deutschland werden vom Statistischen Bundesamt (Destatis) zusammengefasst und aufbereitet. Zum einen werden die Unfälle im Verkehr statistisch insgesamt erfasst und in regelmäßigen Abständen festgehalten (z.B. monatlich, jährlich). Des Weiteren werden noch diverse weitere Untergliederungen und Angaben gesondert ausgewiesen, wie etwa Verunglückte und Unfalltote, Unfallursachen oder Unfallorte. Diese detaillierteren Auswertungen unterstützen die weitere Analyse der Unfallgeschehnisse und erlauben es, Trends und mögliche Problemfälle einfacher zu erkennen und entsprechend darauf zu reagieren.

Außerdem wird hierüber auch eine gewisse Vergleichbarkeit mit anderen Ländern auf europäischer und weiterer internationaler Ebene hergestellt. Internationale Institutionen wie die Europäische Kommission und die Vereinten Nationen koordinieren die Aktivitäten auf internationaler Ebene und rufen auch besondere Aktionen aus wie bspw. die „Decade of Action for Road Safety 2011-2020“ (das Jahrzehnt für Verkehrssicherheit) der Weltgesundheitsorganisation (WHO).

Verkehrsunfälle insgesamt zwischen 2006-2017

Die Zahl der Unfälle in Deutschland ist in den letzten Jahren stetig gestiegen und erreichte in 2017 einen neuen Höchststand von rund 2,64 Millionen Verkehrsunfällen, was eine Steigerung von 2% im Vergleich zum Vorjahr entspricht, denn in 2016 lag die Anzahl der Verkehrsunfälle noch bei 2,58 Millionen. Hingegen im Jahr 2006 wurden noch deutlich weniger Verkehrsunfälle gezählt, nämlich 2,23 Millionen. Seit Jahren beklagt die Polizei ein immer aggressiveres Fahrverhalten der Autofahrer, sowie eine strake Ablenkung durch die Smartphone-Nutzung am Steuer – zwei wesentliche Ursachen für die Unfallhäufigkeit.

Unfallzahlen insgesamt in 2017

Definitionen Personenschaden / Verunglückte

Glücklicherweise bleibt es beim Großteil der Verkehrsunfälle bei Sachschäden, d.h. es gibt keine Personenschäden bzw. Verunglückte. Hierbei lohnt es sich, die genauere Definition von Unfällen zu betrachten: Als Verunglückte zählen alle leicht und schwerverletzten Personen sowie getötete Verkehrsteilnehmer. Als schwerverletzt gilt, wer nach einem Unfall mehr als 24 Stunden im Krankenhaus in der stationären Behandlung verbringen muss, egal ob es nur zwei Tage oder mehrere Monate sind. In der Statistik als Getötet zählt, wer innerhalb von 30 Tagen an den Unfallfolgen verstirbt.

In den Statistiken tauchen auch unterschiedliche Auswertungen zu Unfällen mit Verunglückten und Unfällen mit Personenschaden auf. Der Unterschied liegt darin, dass ein Unfall mehrere Verunglückte haben kann. Gleichzeitig zählt solch ein Unfall nur als ein Unfallereignis mit Personenschaden (egal wie viele Verletzte/Verunglückte es dabei gab). Daher liegt in den Statistiken die Zahl an Verunglückten i.d.R. höher als die Zahl der Unfälle mit Personenschaden.

Verunglückte-und Unfalltote 2017

Die Zahl der Verunglückten lag in den letzten 4 Jahren meist bei rund 400.000 Personen jährlich. Auch im Jahr 2017 verharrt die Zahl nahe dieser Marke und liegt bei rund 391.400 Verunglückten. Im Jahr 2006 waren noch knapp 427.000 Verunglückte erfasst worden. Auch wenn die Kurve der Verunglückten nach unten zeigt, so hat sich der Rückgang jedoch deutlich verlangsamt und die Zahlen stagnieren vor allem seit 2009 auf hohem Niveau nahe der 400.000er Marke.

Erfreulicher hingegen sieht der Trend bei der Zahl der Unfalltoten aus: In 2017 hat die Zahl der Verkehrstoten den niedrigsten Stand seit Beginn der Statistik vor mehr als 60 Jahren erreicht und beträgt nun 3.177. Vor 12 Jahren lag die Zahl der Verkehrstoten noch bei rund 5.100. Trotz dieser Erfolge bedeutet der aktuelle Stand nur einen Rückgang von 0,9% im Vergleich zum Vorjahr, während in den Jahren bis 2013 eine deutlich höhere Abnahme zu verzeichnen war. Unter dem Strich bedeutet dies immer noch mehr als 8 Verkehrstote in Deutschland jeden Tag!

Unfallursachen

Die Unfallursachen werden in den Statistiken in vier große Themenbereiche unterteilt.

  1. Fehlerhaftes Fahrverhalten
  2. Unfallbezogene Ursachen
  3. Fahrzeugbezogene Ursachen
  4. Fehlverhalten der Fußgänger

Unter fehlerhaftem Fahrverhalten sind fahrerbezogene Ursachen zu verstehen, d.h. Ausgangspunkt hierbei ist immer ein Nichtbeachten bzw. mangelnde Aufmerksamkeit des Autofahrers/Fahrzeugführers. Dies kann z.B. das Fahren unter Alkoholeinfluss sein, eine zu hohe (nicht angepasste) Geschwindigkeit, zu geringer Abstand, Fehler beim Abbiegen oder Wenden, das Nichtbeachten der Vorfahrt oder sonstiges Fehlverhalten wie Fehler beim Überholen oder eine falsche Straßenbenutzung.

Zu den unfallbezogenen Ursachen gehören beispielsweise schwierige Straßenverhältnisse und Witterungseinflüsse wie Regen, Schnee oder Glatteis, aber auch Hindernisse oder Tiere auf der Fahrbahn wie z.B. Wildwechsel.

Unfallursachen

Fahrzeugbezogene Ursachen sind technische Mängel am Fahrzeug, oftmals Wartungsmängel, z.B. an der Beleuchtung, den Bremsen oder an der Bereifung. Das Defizit am Fahrzeug führt dann eine gefährliche und unfallträchtige Situation herbei.

In der Kategorie „Fehlverhalten der Fußgänger“ sind alle Unfälle zusammengefasst, die auf fehlerhafte Handlungen von Verkehrsteilnehmern zurückgehen, die zu Fuße unterwegs sind. In den meisten Fällen handelt es sich um Fußgänger beim Überqueren der Fahrbahn, sei es, dass die Fahrbahn einfach betreten wird ohne auf den Verkehr zu achten, oder z.B. das Überqueren der Straße bei roter Fußgängerampel.

2016 war die Hauptunfallursache mit 88% das fehlerhafte Fahrverhalten, gefolgt von unfallbezogenen Ursachen mit 8%, in 3% lag die Ursache beim Fehlverhalten von Fußgängern und in 1% hatte es eine fahrzeugbezogene Ursache. Auch wenn die Prozentsätze leicht variieren, so liegt das Fehlverhalten der Autofahrer bereits seit mehreren Jahrzenten mit Abstand an der Spitze der Unfall-Ursachen.

Fehlverhalten der Fahrer

Vergleicht man bei der Hauptunfallursache „Fehlverhalten der Fahrer“ die Daten von 2016 mit denen von 1996, so sind einige Veränderungen festzustellen. Die Ursachen „Alkohol am Steuer“ und „überhöhte Geschwindigkeit“ (vormals die zweithäufigste Ursache) sind deutlich rückläufig. Dies ist sicherlich auch ein Verdienst erhöhter Kontrollen in diesen Bereichen. Das „sonstige Fehlverhalten“ schließt auch die Handynutzung beim Autofahren mit ein, was mit dazu führt, dass die Zahlen in diesem Bereich in den letzten 20 Jahren gestiegen sind.

Unfälle nach Unfallort

Eine weitere wichtige Differenzierung in den Unfallstatistiken wird hinsichtlich der „Verunglückten nach Unfallort“ vorgenommen. Welche Straßen und Verkehrsbereiche sind am gefährlichsten und wo ereignen sich die meisten Unfälle?

Unfallorte

Von den 308.000 Unfällen mit Verunglückten jedes Jahr ereignen sich rund 68% innerorts, also innerhalb der Ortsbegrenzungsschilder. Etwa 24% der Unfälle mit Verunglückten passieren auf Landstraßen oder Kreisstraßen (außerorts ohne Autobahn) und nur ein relativ kleiner Anteil von 8% wird auf Autobahnen registriert. Auf Grund der Verkehrsdichte in den Städten scheint diese Statistik weniger überraschend. Anders sieht die Situation bei den Unfällen mit Verkehrstoten aus:

Die meisten Unfälle mit Personenschaden passierten 2016 innerorts, die meisten Verkehrstoten gab es mit 1.853 jedoch außerorts auf Kreis- und Landstraßen (ohne Autobahn) zu beklagen. Die Geschwindigkeiten sind außerorts höher, dadurch fallen Unfälle auf Landstraßen z.B. beim Abbiegen (Zusammenstoß mit dem Gegenverkehr) oder durch Aufprall gegen einen Baum auf einer Allee häufig schwerer aus.

Verkehrstote nach Unfallort

Innerorts starben 960 Personen, also rund halb so viele wie auf Landstraßen/Kreisstraßen. Trotz des höheren Geschwindigkeitsniveaus auf Autobahnen gehen dort die Unfälle meist glimpflicher aus. Auf Autobahnen verstarben 393 Menschen im Jahr 2016. Auf Autobahnen ist der Sicherheitsstandard u.a. durch Leitplanken und andere Maßnahmen recht hoch, so dass die Unfälle seltener tödlich enden.